Die schönsten Falschmeldungen



Obwohl der Begriff "Killerspiele" an sich schon reisserisch ist, scheint das für einige Autoren von Beiträgen zu diesem Thema noch nicht sensationell genug zu sein. Jedenfalls finden sind in etlichen Berichten Fehler: von kleinen, aber nicht den Tatsachen entsprechenden Ausschmückungen, bis hin zu kompletten Falschdarstellungen.

Für Kenner der Materie ist das irritierend. Wenn bei Themen, mit denen sie sich auskennen, so falsch berichtet wird - wie steht es dann um andere Themen, mit denen man sich selber nicht so gut auskennt?

Vor allem Spieler fühlen sich durch Übertreibungen und Falschmeldungen immer wieder angegriffen und ungerechtfertigt angeprangert. Dies ist, wie wir finden, eine denkbar schlechte Ausgangslage für eine sachliche Diskussion.


Daher hier die schönsten Falschmeldungen und andere Kuriositäten rund um das Thema Killerspiele:

Counterstike und die Schulmädchen



Verschiedene Artikel geben sehr interessante Einblicke in die Handlung des  Spiels Counterstrike:

Opens external link in new windowNeue Solidarität 19/2002: Im Spiel werden ein Polizist, ein Passant und ein Schulmädchen erschossen, bevor der Attentäter getötet wird.

Gut, daß es in Counterstrike weder Passanten noch Schulmädchen gibt...

FAZ: Das populäre und indizierte Computer-Onlinespiel Counter Strike ... das Spiel, in dem man vom Polizisten (sogar die GSG 9) über den Passanten bis hin zum Schulmädchen jeden erschießen soll.

Die altehrwürdige FAZ offenbart hier komplette Ahnungslosigkeit: Daß Passanten und Schulmädchen in Counterstrike nicht auftauchen, haben wir ja bereits klargestellt. Zusätzlich dazu ist das Spiel weder indiziert, noch ist das Spielziel jeden zu erschiessen.

Hamburger Allgemeine, zitiert nach Gamestar 7/2002: Großmütter mit Kinderwagen und Schulmädchen bringen Extrapunkte im PC-Spiel Counterstrike

Neben den Schulmädchen sind auch Großmütter in Counterstrike nicht zu finden. Die einzigen vorkommenden Zivilisten sind Geiseln - für deren Tötung gibt es aber keine Punkte, sondern Strafen.

Rheinische Post 29.04.2002: Hier werden Geiseln genommen und Schulmädchen erschossen. Das Mädchen trägt einen karierten Rock und eine weiße Bluse. Sie ist überrascht, als sich die Türe öffnet. Das letzte, was die Schülerin in ihrem Leben wahrnimmt, ist das Mündungsfeuer der Automatikwaffe, die der Eindringling auf sie richtet. Ihre Bluse färbt sich rot - Ziel eliminiert.

Auch wenn hier blutrünstig und detailliert das Erschiessen eines Schulmädchens geschildert wird - das hat nichts mit Counterstrike zu tun.

Spiegel 18/2002: Eines seiner Lieblingsspiele war 'Counterstrike', ein Killerspiel, bei dem zwei feindliche Terroristeneinheiten sich bekriegen. Maskierte jagen da andere Maskierte durch Wüstenlandschaften und dunkelgraue Betonwelten, nehmen Dunkelmänner ins Fadenkreuz ihrer virtuellen Maschinenpistolen und feuern weiße Blitze - bis der gesamte Bildschirm rot zuckt: Das Opfer verblutet, das Ziel ist erreicht, der Spieler gewinnt.

Es bekriegen sich in Counterstrike nicht zwei Terroristeneinheiten. Nicht alle Spielfiguren sind maskiert. Weder feuert man weisse Blitze, noch zuckt der Bildschirm rot  - und das Verbluten von Opfern ist auch kein Spielziel.

Bild:„Counterstrike“ heißt das Computerspiel, in dem sich auch der irre Amokläufer Bastian B. († 18) Anregungen für seine Wahnsinnstat in Emsdetten holte. Teamweise wird dort Jagd aufeinander gemacht. Mit Messer, Pistole, Gewehr und Raketenwerfer.

Der Raketenwerfer ist hierbei frei erfunden - vermutlich hört sich das Ganze dadurch einfach spektakulärer an.

An diesen Beispielen erkennt man gut, dass die Autoren nicht wissen, worüber sie berichten. Es gibt jedoch (abgesehen von absichtlich falscher Berichterstattung) eine relativ wahrscheinliche Erklärung für solche journalistischen Aussetzer: Spiele, auch Counterstrike, lassen sich modifizieren. Man kann mit passenden Mitteln z.B. Spielfiguren verändern, so dass die Gegner aussehen wie Kermit der Frosch - oder eben Schulmädchen. Das liegt in der Natur von digitalen Daten: Mit dem passenden Wissen kann man sie verändern. Das ist teilweise sogar gewollt: das heutzutage so beliebte Counterstrike fing als von Spielern selber verändertes Spiel an.

Wenn man wollte, könnte man also nahezu jedem Computerspiel, und sei es noch so harmlos, beliebige Inhalte unterschieben. Aber: wenn jemand bei einem Sportspiel z.B. die Sportler durch nackte Figuren ersetzt, dann hat das mit dem ursprünglichen Spiel nichts mehr zu tun. Es wird also hoffentlich niemand auf die Idee kommen, das Spiel als pornographisch anzuprangern.

Vermutlich sind die Autoren also der Versuchung erlegen, das an sich nicht allzu spektakuläre Spiel durch Modifikationen grausamer erscheinen zu lassen, um ihren Standpunkt "Der Schund muss verboten werden" eindrucksvoll zu untermalen.

Süddeutsche Zeitung: Computerspiele oder nicht?



Die Süddeutsche Opens external link in new windowschreibt: Die bayerische Familienministerin Christa Stewens (CSU) forderte Computerspiele wie „Gotcha“, „Paintball“ und „Laserdrome“ auf den Index zu setzen.

In Wirklichkeit involviert keines dieser Spiele einen Computer. In der Opens external link in new windowOriginal-Pressemitteilung ist auch keine Rede davon. Offenbar stammt dieser Text also von einem Autoren, der sich mit dem Thema nicht allzu gut auskennt...

Focus TV: Der kleine Leopold



Am 24.11.2006, kurz nach Emsdetten, sendete FocusTV (Pro7) einen besonders interessanten Beitrag: "Computerspieler, Gotcha-Fan, Amokläufer – Hintergründe zur Bluttat von Emsdetten"

Spätestens, als der Bericht sich einer Suchtklinik für Computerspieler in Belgien widmete, wurden einige Zuschauer sehr stutzig. Gezeigt wurde ein Junge, der vor seinem Computer sitzt und komplett ausrastet, weil er wegen Internetproblemen nicht spielen kann.

Die gezeigte Szene stammt aus einem bereits seit längerer Zeit im Internet kursierenden Film, der offensichtlich keine wahre Gegebenheit zeigt, sondern gestellt ist.

Screenshot aus Focus TV

Focus TV machte den Kleinen kurzerhand zum geistesgestörten Leopold, dessen Vater die Aufnahmen heimlich von ihm machte - als er sein Lieblingsspiel nicht spielen konnte, weil er keine Internetverbindung bekam. Laut dem Bericht steht er auch auf der Warteliste für die oben erwähnte Suchtklinik. Aber wohl auch wirklich nur laut Focus TV, denn der kleine Gangster meldete sich selbst mit seiner ganz eigenen ironischen Art zu den Vorwürfen zu Wort:

Opens external link in new windowhttp://www.youtube.com/watch?v=XDbs_9r56hk

Final Fantasy - Killerspiel? Gewaltvideo?



Opens external link in new windowSüddeutsche: Unmittelbar vor der Bluttat von Tessin mit zwei Toten haben die beiden 17-Jährigen das Gewaltvideo „Final Fantasy“ angeschaut.

Dieses "Gewaltvideo" ist ab 12 Jahren freigegeben: ein "ganz normaler" Fantasyfilm.

Opens external link in new windowLaut Bild war es aber ein Computerspiel: Die als freundlich bekannten Gymnasiasten haben das Computerspiel „Final Fantasy VII“ nachgespielt.

In der Printausgabe dazu eine eine Abbildung mit der Unterschrift Brutale Szene aus Final Fantasy - dem Lieblings-Computerspiel der Killer.

Die Abbildung zeigt jedoch den Film, nicht das gleichnamige Computerspiel. Und die Brutale Szene (Opens external link in new windowhier zu sehen) zeigt lediglich einen Menschen, der eine Pistole hält.

Nebenbei bemerkt: Sowohl der "Gewaltfilm" als auch das "Gewaltspiel" Opens external link in new windowwerden von Bild selber im Bild-Onlineshop verkauft.

Aber nicht verzweifeln, es gibt noch Menschen, die bei dem Wirrwarr um Spiel bzw. Film durchblicken. Opens external link in new windowReuthers zitiert Beckstein: Menschenverachtende Spiele, in denen es eindeutig um das Einüben des Tötens gehe, müssten aus dem Verkehr gezogen werden, sagte Beckstein am Dienstag am Rande des Treffens der EU-Innen- und Justizminister in Dresden. Dies gelte besonders auch mit Blick auf Taten wie im mecklenburg-vorpommerschen Tessin, wo zwei Jugendliche am Wochenende offenbar "exakt nach Drehbuch" eines solchen Spiels ein Ehepaar getötet hätten.

Anscheinend übt man also im Spiel Final Fantasy ein, mit Messern auf Unschuldige einzustechen. In Wirklichkeit ist es ein Fantasyspiel, welches zwar durchaus Schwertkämpfe beinhaltet, aber nicht das Messer-Morden trainiert.

Aber dass Reuthers ganz generell Probleme zu haben scheint, Filme und Spiele auseinander zu halten, wird Opens external link in new windowhier klar: Im Kampf gegen so genannte Killerspiele will die EU die schlimmsten Gewaltvideos im Internet anprangern.

Counterstrike und das Blut



Bild und Bildunterschrift von Bild.de

In vielen Fernsehberichten sind extrem blutige Spielszenen aus diversen Egoshootern zu sehen. Auch z.B. Counterstrike wird gezeigt - mit so viel spritzendem Blut, dass das Geschehen schon wieder surreal wirkt.

Hier kann man davon ausgehen, dass entweder in Deutschland erst ab 18 verkäufliche US-Versionen gezeigt werden, oder wiederum modifizierte Spiele.

Denn in den meisten für den deutschen Markt bestimmten Spieleversionen gibt es kein Blut - für "Soldier of Fortune" wurden sogar die zunächst menschenähnlichen Gegner komplett durch Roboter ersetzt.

Dadurch lässt sich erklären, warum Spieler sich immer wieder fragen: "Was zeigen die denn da überhaupt - das kenne ich gar nicht von dem Spiel"

Bild geht jedoch den umgekehrten Weg: Sie Opens external link in new windowzeigen die deutsche, unblutige Version von Counterstrike:Source, und dichten dann das Blut dazu, wie auf dem nebenstehenden Screenshot von Bild.de zu sehen ist.

Noch eine Randbemerkung: Bild regt sich auf und Opens external link in new windowfragt, Aber warum wird der Baller-Schund nicht einfach verboten?

Einpaar Klicks weiter, im Bild-Onlineshop, sind jedoch unter Anderem die im selben Artikel erwähnten Spiele Opens external link in new windowUnreal und Opens external link in new windowCounterstrike zu kaufen...


Autor: Andreas